Gewässer- und Hochwasserschutz an der Orla

Umweltminister Tilo Kummer besuchte im Rahmen seiner Sommertour heute den Gewässerunterhaltungsverband (GUV) Obere Saale/Orla, um sich vor Ort über die Fortschritte beim Hochwasser- und Gewässerschutz zu informieren.

Begleitet wurde er von Ralf Weiße, Verbandsvorsteher und Bürgermeister der Stadt Neustadt an der Orla, Sebastian Klein, Geschäftsführer des GUV, Heiko Eberitzsch, Beigeordnetem der Gemeinde Freienorla, und Benjamin Gottfried von der Natura-2000-Station Auen, Moore, Feuchtgebiete.

An der Orla zwischen Freienorla und Langenorla wurden auf einer Länge von rund 2,0 Kilometern naturnahe Gewässerstrukturen geschaffen. In insgesamt 17 Teilbereichen wurden verschiedene Strömungselemente wie Baumstamm- und Steinbuhnen, Störsteine sowie Wurzelstubben eingebaut. Ziel dieser Maßnahmen ist es, der durch den Gewässerausbau in den 1930er-Jahren homogen fließenden Orla wieder ein natürlicheres Fließverhalten zu verleihen. Durch Kieszugaben, die Lockerung der Gewässersohle sowie den Einbau von Fischunterständen konnte zudem der Lebensraum für Fische und deren Nährtiere deutlich verbessert werden.

Die neu geschaffenen Strukturen tragen jedoch nicht nur zur ökologischen Aufwertung des Gewässers bei: Sie verlangsamen bei Hochwasser den Wasserabfluss und leisten damit einen Beitrag zum Schutz der unterhalb gelegenen Ortslage Freienorla. Gleichzeitig helfen sie in Trocken- und Niedrigwasserperioden dabei, das verfügbare Wasser länger im Gewässer zu halten. Die Maßnahme wurde seit 2022 mit rund 300.000 Euro aus Mitteln von EU, Bund und Freistaat Thüringen gefördert.

„Die beste Hochwasservorsorge arbeitet mit der Natur und nicht gegen sie. Was hier an der Orla umgesetzt wurde, steht stellvertretend für die Arbeit der Thüringer Gewässerunterhaltungsverbände: Naturnahe Gewässer schaffen Mehrwert für die Natur und erhöhen zugleich den Schutz vor Hochwasser.“, so Umweltminister Tilo Kummer.

Der GUV Obere Saale/Orla gehört zu insgesamt 20 Gewässerunterhaltungsverbänden, die seit der Novelle des Wassergesetzes (Juni 2019) in Thüringen entstanden sind. Sie sind für die Pflege kleiner Flüsse und Bäche sowie deren Hochwasserschutzanlagen verantwortlich – und damit für über 90 Prozent der Fließgewässer in Thüringen (sogenannte Gewässer zweiter Ordnung). Die GUVs kümmern sich als wasserwirtschaftliche Kompetenzzentren vor Ort um ca. 18.000 Kilometer Gewässer und ca. 250 Anlagen.

Beim Hochwasser- und Gewässerschutz geht es darum, Gewässer für den Wasserabfluss freizuhalten und deren Ufer möglichst naturnah zu erhalten und zu gestalten. So können Hochwasserschäden deutlich reduziert und die Gewässer sowie deren Gehölzsäume nachhaltig ökologisch weiterentwickelt werden.

Die Finanzierung der Verbände und ihrer Arbeit trägt zu 100 Prozent das Umweltministerium. Von 2019 bis 2025 wurden insgesamt ca. 110 Millionen Euro in die Gewässerunterhaltung investiert. Für 2026 stellt das Umweltministerium ca. 21 Millionen Euro zur Verfügung. Für den derzeitigen Bewirtschaftungszyklus der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) (2021 bis 2027) sind an den Gewässern zweiter Ordnung mehr als 350 Strukturmaßnahmen vorgesehen, beispielsweise, um die eigendynamische Gewässerentwicklung anzustoßen oder Habitate im Uferbereich zu schaffen, und 1.100 Maßnahmen, um die Durchgängigkeit der Gewässer herzustellen.

Die großen Flüsse (z. B. Saale und Werra) sind Gewässer erster Ordnung; die Gewässerunterhaltung und der Hochwasserschutz dort obliegen dem Freistaat.

Originalbeitrag: https://umwelt.thueringen.de/aktuelles/anzeigen-medieninformationen/gewaesser-und-hochwasserschutz-an-der-orla